Wie ich mich vom Pariser Lebensstil inspirieren ließ und meinen individuellen Stil entwickelte
[Gastbeitrag von Viola (La Vie Paris)] Jahrelang habe ich das Gefühl gehabt, neuen Modetrends hinterherlaufen zu müssen, um bloß nichts zu verpassen. Ich habe neue Kleidungsstücke gekauft, die ich eigentlich gar nicht tragen wollte, nur um nicht “out” zu sein. Was ich davon hatte? Neben sehr hohen Ausgaben für Mode blieb oft nur ein Gefühl von Leere zurück.
Irgendwann habe ich angefangen, mich intensiver mit dem Pariser Lebensstil auseinanderzusetzen. Ich habe in dieser Hinsicht sehr viel über bewussten Konsum, Nachhaltigkeit und Authentizität gelernt. Pariser:innen verfolgen nämlich die Devise, dass Stil nichts mit neuen Modetrends zu tun hat und sich Lebensqualität nicht durch Bestätigung von Außen definiert. In der französischen Hauptstadt wird Individualität an erste Stelle gesetzt, wenn es um modebewusstes Auftreten und einen authentischen Lebensstil geht.

Warum Trends nicht alles sind
Viele von uns wissen, dass Trends nicht wirklich was zu bedeuten haben. Sie kommen und gehen oft schneller als wir überhaupt hinterherkommen. Nur neigen wir natürlich dazu, uns durch Social Media und Co trotzdem indirekt und unterbewusst beeinflussen zu lassen. Wir scrollen durch unseren Feed, sehen Influencer:innen in einem sehr stylischen Outfit und zack: Wir wollen genau dieses Outfit auch haben.
Dieses Phänomen ist vollkommen normal und an sich ist daran nichts verwerflich. Mode und Trends funktionieren auf gewisse Art und Weise nun mal genau so. Ein Designer erstellt sie, und das Modehaus vermarktet sie. Genau hier kann jedoch ein Unterschied im Denken gemacht werden: Wenn wir Mode als Mode und Trends als Trends stehen lassen, dann wird plötzlich sehr klar, wo Verbesserungschancen in unserem Konsumverhalten sind.
Mode hängt nämlich nicht zwangsläufig mit Trends zusammen. Sie ist unter anderem unabhängig, frei und lebt von individueller Interpretation. In Paris ist dieser Umstand längst kein Geheimnis mehr. Pariser:innen bringen ihre Individualität seit Jahrzehnten in Form von Mode zum Ausdruck. Das Paradoxe an dieser Stelle ist, dass dieser Kleidungsstil – auch als Pariser Chic bezeichnet – heutzutage so sehr fasziniert, dass Menschen weltweit versuchen, ihn zu adaptieren.
Was ich vom Pariser Stil gelernt habe
Pariser Stil, sei es bezogen auf Mode oder Lebensgestaltung, ist insgesamt unglaublich inspirierend. Hier werden nämlich keine strengen modischen Vorgaben befolgt oder Verhaltensmuster kopiert. Pariser:innen sind ganz und gar sie selbst und darauf sind sie auch sehr stolz. Das zeigen sie uns täglich durch gewagte und dennoch zurückhaltende Outfit-Kombinationen, selbstbewusstes Auftreten und dieses gewisse “Je ne sais quoi”, das sie auf natürliche Art und Weise ausstrahlen.
Was ich für mich persönlich aus diesem Stil gezogen habe, ist vor allem das hier: Mode und Lebensgestaltung sind individuell. Kleidungsstil braucht keine Vorgaben durch Influencer:innen und Lebensstil muss auf die individuellen Bedürfnisse angepasst sein. Wenn wir versuchen zu kopieren, dann verlieren wir uns oft nur selbst. Zurück bleibt dann nur innere Leere und Sehnsucht nach Neuem und Mehr.
Diesen Kreislauf kann man jedoch ganz gezielt durchbrechen. Hierfür müssen wir uns nur bewusst machen, dass wir unabhängig und frei sind. Wir brauchen keine modischen Vorgaben und kein perfektes und Instagram-taugliches Leben, um authentisch zu sein. Was wir wirklich brauchen, ist Selbstbewusstsein. Wir müssen hinter unserem Charakter, unseren Vorlieben und unseren Entscheidungen stehen, wenn wir wirklich zu uns selbst finden und unabhängig von Trends sein wollen.

Wie man seinen individuellen Stil entwickelt
Vielleicht fragst du dich jetzt auch, wie du deinen persönlichen Stil findest. Ich finde, hierfür müssen wir uns zuerst ein paar Fragen stellen. Diese hier haben mir selbst sehr dabei geholfen, einen authentischen Mode- und Lebensstil zu bekommen:
- Was trage ich am liebsten, wenn ich einen Tag frei gestalten kann?
- Welche Schnitte und Farben sprechen mich wirklich an?
- Worin fühle ich mich wirklich wohl?
Ich finde, diese Fragen können sehr helfen, sich wirklich bewusst zu machen, was für uns passt. Nicht für Instagram. Nicht für die Arbeit. Und auch nicht für unsere Mitmenschen. Nur für uns selbst. Ich habe herausgefunden, dass es am besten ist, diese Fragen spontan im Kopf zu beantworten und nicht zu viel darüber nachzudenken. Wenn wir uns zudem bewusst machen, wie unabhängig wir sein können, treffen wir oft ganz andere Entscheidungen. Sei es in Bezug auf Mode oder die Lebensgestaltung insgesamt.
Ich selbst versuche heute, Trends bewusst zu filtern. Welche neuen Looks inspirieren mich wirklich? Und was davon passt zu mir und meiner individuellen Lebensart? Diese neue Denkweise ermöglicht es mir, neue modische Entwicklungen zwar wahrzunehmen, aber gezielt herauszufiltern, was ich wirklich haben will. Seit ich dieses Konzept so umsetze, hängt nicht mehr so viel unnötige Kleidung in meiner Garderobe, und ich habe außerdem das Gefühl, mehr Lebensqualität zu haben.
Fazit
Fest steht, dass Trends hinterherzulaufen unsinnig ist und uns auf Dauer nur unglücklich macht. Mode wird nämlich nicht durch Social-Media-Trends bestimmt, sie definiert sich durch Individualität. Und diese ist nicht nur die Grundlage für moderne und authentische Outfits. Sie ist die Grundlage für einen wirklich authentischen Lebensstil.
Pariser:innen haben diese Art zu leben und sich zu kleiden perfektioniert. Sie fokussieren sich ganz und gar auf ihr inneres Wohlbefinden und ihre Individualität, wodurch ein einzigartiger Lebens- und Modestil entsteht. Dieser fasziniert und inspiriert weltweit und ist paradoxerweise zusätzlich noch die Grundlage für viele neue Trends.
Wir können diese Art zu leben individuell für uns adaptieren. Unabhängig davon, ob wir in Paris leben oder nicht. Hierfür müssen wir uns lediglich bewusst machen, was uns selbst wirklich ausmacht und wie wir nach außen wirken wollen. Im Idealfall ist das dann ein authentisches Abbild von uns selbst.

